BLOG – Die Hirnschleuder

der theatralen subversion

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07. '17

Wildwechsel, my little kid!

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Was macht eigentlich gute Kunst für junge Menschen aus? Sollte sie überhaupt anders sein als die für ein Publikum, das der Adolezenz zumindest vom Alter her längst entstiegen ist? Diesen Fragen dürfen wir uns aufgrund einer sehr kurzfristigen Ausschreibung des diesjährigen Kinder- und Jugendtheaterfestivals WILDWECHSEL am tjg. theater junge generation Dresden in unserer neuen Arbeit stellen. Mit einem großartigen Produktionsteam produzieren wir gerade den Videowalk „Meine fremde Stadt“ für Kinder von 8 – 12 Jahren und erzählen in ihm die Geschichte von Ella – einem Mädchen um die 10 Jahre alt -, das gerade erst nach Dresden gezogen ist und von ihren Eindrücken und Gefühlen als „die Neue“ berichtet. Die intensiven Dreharbeiten sind bereits abgeschlossen und während wir uns weiter an unseren Erinnerungen an eine Zeit abarbeiten, in der wir noch nicht die alleinige Verantwortung für unser Leben trugen, wird bereits auf Hochtouren am Film geschnitten. Welches Ergebnis der Postproduktion am Ende entschlüpft, könnt ihr zur Premiere am 22. September 2017 am tjg. theater junge generation sehen. Wir spielen hier solange schon mal weiter.

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05. '17

Die Tode einer Lebendigen

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Nachdem die Renovierungsarbeiten abgeschlossen wurden, spielen wir am 10./11. Mai um 20 Uhr wieder „Die Kunst zu sterben“ im Societaetstheater Dresden. Alle, die das Stück noch nicht gesehen haben und ein paar Einblicke in das Leben der Protagonistin Ilse Bendin gewinnen wollen, können im Vorbericht der Sächsischen Zeitung vom 6. Dezember 2016 nachlesen. Wir freuen uns auf die Vorstellungen und euren Besuch! Und wer es diesmal nicht schafft, hat am 16./17. September und 11./12. November noch einmal die Gelegenheit die Inszenierung zu sehen.

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05. '17

Eröffnung Zentralwerk

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Nachdem heute der erste Akt der offiziellen Eröffnung des Zentralwerks gefeiert wurde, geht es morgen weiter. Ab 11 Uhr am Samstag, den 6.5.2017, bis in den späten Abend könnt ihr die Mieter*innen und Künstler*innen in ihren Wohnungen und Ateliers besuchen und kennen lernen. Auch wir sind dabei und haben unser Büro für euch eingerichtet – im Turm C, 2. OG „Büro um die Ecke“. Wir würden uns freuen euch zu sehen und mit euch zu feiern und zu tanzen!

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11. '16

Dresden Premiere!

7. + 8. Dezember 2016, Societaetstheater Dresden, 20 Uhr

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Fotografie und Plakatgestaltung von Peter Kreibich

Nachdem „Die Kunst zu sterben“ im August im LOT Theater Braunschweig Premiere feierte und unter anderem im Theaterdiscounter Berlin lief, kommen wir jetzt endlich „nach Hause“. Das Stück ist die erste Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner Societaetstheater Dresden und die Aufführungen hier sind für uns deshalb etwas Besonderes. Wer mehr über das Haus erfahren will, dessen Freundeskreis sich bemerkenswerter Weise bereits im Jahre 1776 gründete, kann das hier: http://www.societaetstheater.de/house/history.html

Karten bekommt ihr über die Homepage oder telefonisch beim Societaetstheaters unter: 0351 – 803 68 10

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08. '16

Die Fotos sind da!

Vielen Dank Sophie Gittermann für die Aufführungsfotos von „Die Kunst zu sterben“. Was sie in ihren Bildern festgehalten hat, beschreibt der Kritiker Andreas Eberhard am 24.8.2016 in der Braunschweiger Zeitung so:

„So wird organisch zwischen den Perspektiven gewechselt. In der Person Ilse Bendins hängt alles miteinander zusammen. Untermalt und vorangetrieben von Stephanie Krahs sparsam arrangierten, aber effizienten Loopstation-Sounds entfaltet das von Regisseur Michael McCrae ersonnene Stück eine fesselnde Erzählung. Lebenserinnerungen und ihre Bühnentode entlocken sich wechselseitig immer neue Facetten und Zwischentöne. […] Wie Bendins Bühnentod als furchtlose Freiheitskämpferin auf dem Scheiterhaufen und ihre eigene beginnende Gängelung durch die Stasi miteinander verknüpft sind, wird eindrucksvoll herausgearbeitet. Statt das Publikum emotional zu überrollen, wird auf szenische Reflexion gesetzt. […] Dieser im Ganzen mit viel Fingerspitzengefühl inszenierte Theateressay zu Leben, Bühne, Alter und Tod ist sehenswert.“

Die nächsten Möglichkeiten das Stück zu sehen sind am 26./27./28./29./30. Oktober im Theaterhaus Hildesheim und am 03./04./05. November im Theaterdiscounter Berlin. Kommt! Kommt!

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08. '16

Why, Michael, why?

Morgen fahren wir nach Braunschweig um die Bühne und Technik einzurichten und am Freitag ist dann endlich die Premiere von „Die Kunst zu sterben“. Es wird also allerhöchste Zeit ein bisschen mehr über die Produktion zu verraten. Und das machen wir indem wir unser beliebtes Interviewformat wieder aufleben lassen und dem Regisseur Michael McCrae, der zusammen mit Romy Weyrauch (Co-Regie) das Stück inszeniert hat, ein paar Fragen stellen.

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Lieber Michael, die Idee von „Die Kunst zu sterben“ kam von dir. Kannst du in wenigen Sätzen zusammenfassen, um welche Inhalte es in dem Projekt geht?

Ausgangspunkt der Produktion ist die Auseinandersetzung mit dem Bühnentod bzw. dem Sterben auf der Bühne. Glücklicherweise konnten Romy und ich die 76-jährige Schauspielerin Ilse Bendin für das Projekt gewinnen. Sie ist die Protagonistin von „Die Kunst zu sterben“ und wird auf der Bühne einen Rückblick auf ihr bewegtes Leben und natürlich auch bewegte Theater-Karriere wagen. Ilse Bendin hat drei Staatsformen erlebt, sie ist im Krieg geboren, hat einen Großteil ihres Lebens in der DDR verbracht und dort Theater gespielt, hat aber auch nach der Wende im wiedervereinten Deutschland auf Bühnen und vor Kameras gestanden. Ihre Biographie ist also voller Brüche und Widersprüche. Gemeinsam mir Ilse suchen wir nach Parallelen aber auch Unterschieden zwischen dieser Biographie und den Rollen, die sie gespielt hat. Auf Theaterbühnen sterben Figuren ja meist aus gutem Grund: für ihre Überzeugungen, aus Liebe oder weil sie mit verschiedenen Auffassungen von Recht und Gerechtigkeit in Konflikt geraten, wie in der antiken Tragödie. Kurz: Der Bühnentod ist oftmals ein Moment des verdichteten Sinns. Im „echten Leben“ ist es dagegen oft sehr schwer angesichts des Todes Sinn zu erzeugen. Dieses Spannungsfeld bearbeitet „Die Kunst zu sterben“.

Und wie habt ihr das ästhetisch umgesetzt?

Den Proben ist eine lange Recherchephase vorausgegangen. Romy und ich haben mit Ilse Bendin mehrere lange Interviews geführt. Daraus sind sehr persönliche Texte entstanden – sie geben einen Eindruck vom Ringen um die Erzählung des eigenen Lebens unserer Protagonistin. Zugleich standen die Bühnentode, die Ilse schon gestorben ist, im Fokus. Wir haben nach jenen Todesszenen gesucht, die auf unterschiedliche Arten mit dieser Biographie verknüpft sind und uns als Folie dienen; die Kommentar oder Ausgangspunkt sind für das autobiographische Berichterstatten. Diese Tode werden nacherzählt aber auch nachgespielt. Der dokumentarische Charakter der Arbeit wird ästhetisch durch unterschiedliche Materialien unterstützt – Fotos, O-Töne, Dokumente – die wir medial in die Inszenierung eingearbeitet haben. Trotzdem würde ich „Die Kunst zu sterben“ nicht als dokumentarisches Theater bezeichnen. Vielmehr wird das augenscheinlich Authentische oder auch Autobiographische immer wieder in Frage gestellt. Es geht uns auch um die Unmöglichkeit ein konsistentes Narrativ des eigenen Lebens zu entwerfen. Auf der Bühne stehen und sterben neben Ilse meine Co-Regisseurin Romy Weyrauch, die auch performt und die Sound-Künstlerin Stephanie Krah. Romy und Steph nehmen verschiedene Funktionen ein: Sie sind Anspielpartnerinnen, die in verschiedene Rollen schlüpfen, zugleich Bühnenarbeiterinnen und Komplizen. Stephanie Krah entwirft zudem einen Live-Soundtrack des Körpers der Protagonistin, dessen Inszenierung einen weiteren ästhetischen Schwerpunkt des Abends bildet. Wie sie das macht, möchte ich allerdings an dieser Stelle noch nicht verraten.

Wie bist du darauf gekommen? Hast du einen persönlichen Bezug zu dem Thema?

Was den persönlichen Bezug angeht, kann ich nur sagen: Die Frage danach wie man sterben möchte, wird wohl für die meisten Menschen früher oder später existentiell – im wahrsten Sinne des Wortes. Wie viele andere bin ich im persönlichen Umfeld damit schon konfrontiert worden. Und da geht es ja nicht nur um Sterbehilfe und Selbstbestimmung. Ich glaube angesichts des Todes wird eigentlich eine andere Frage sehr wichtig: Wie möchte ich leben? Beziehungsweise: Welche Form gebe ich meiner Existenz – besonders im Rückblick? Das Thema ist also unüberschaubar groß und betrifft zugleich jeden.

Die konkrete Idee eine Performance zu diesem Thema zu machen, trage ich jetzt schon einige Jahre mit mir herum. Es klingt vielleicht makaber, aber irgendwann las ich zufällig einen Artikel über einen Judas-Darsteller in Brasilien, der während eines Passionsspiels tödlich verunglückte. Die Figur des Judas begeht in dieser Inszenierung Selbstmord durch den Strick. Tragischerweise machte der Darsteller wohl einen Fehler bei einer Vorstellung und strangulierte sich wirklich, was zuerst niemand bemerkte. Wenn wir im Theater sind, gehen wir ja auch nicht davon aus, dass da jemand wirklich sterben könnte. Aber mit dem „wirklichen“ Tod hört das Theater natürlich auf. Schlimmer kann eine Inszenierung nicht scheitern. Trotzdem wird ja in der Theaterliteratur unglaublich viel gestorben – man denke nur an Shakespeares Dramen. Mir wurde klar, dass der Tod auf der Theaterbühne eine besondere Rolle spielt. Einerseits ist er das Ende jeder Darstellung und gleichzeitig offenbart sich das Theater im Moment eines Bühnentodes selbst. Das fand ich einfach sehr interessant.

Du hast zwar schon kleinere Regiearbeiten gemacht, bist aber zum ersten Mal hauptverantwortlich für ein Projekt mit größeren Produktionspartnern und Förderern und mehreren Spielstätten in verschiedenen Bundesländern. Magst du kurz beschreiben wie es sich bisher für dich anfühlt so zwischen großer Chance und großer Verantwortung?

Ich begreife die Zusammenarbeit mit der theatralen subversion wirklich als tolle Chance. Nach meinem Studium in Gießen bin ich ja erst recht frisch in Dresden und da ist es natürlich eine super Gelegenheit euer Know-How und die Produktionsstrukturen der theatralen subversion im Rücken zu haben. Zugleich hat sich in der aktuellen Zusammenarbeit der Eindruck verstärkt, dass man auch ästhetisch eine gemeinsame Sprache spricht, was mich zum Punkt Verantwortung führt. Für die Produktion „Die Kunst zu sterben“ teile ich mir die künstlerische Leitung mit Romy, was wirklich erstaunlich gut funktioniert. Dann sind mit Stephanie Krah eine tolle Theater-Musikerin und mit Katja Turtl eine ebenso tolle Bühnen- und Kostümbildnerin mit im Boot. Die künstlerische Verantwortung liegt somit auf verschiedenen Schultern, was mich nicht nur persönlich entlastet, sondern auch meiner Vorstellung von Theaterproduktion im Team und mit klaren Zuständigkeiten entspricht. Außerdem haben wir mit Martin ja auch noch einen sehr erfahrenen Produzenten im Hintergrund, was extrem wichtig für ein konzentriertes künstlerisches Arbeiten ist. Kurzum: Die Realisierung des Abends ist Chance und große Verantwortung zugleich, was aber von einem super Team aufgefangen wird, weshalb – bis jetzt – noch keine Panikattacken oder ähnliches zu vermelden sind.

Als Absolvent der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen haftet dir ja automatisch der Stallgeruch des Avantgardisten und Theaterzertrümmerers an. So warst du zum Beispiel bei einer Kunstaktion beteiligt, die darin bestand, die Hauptbühne des Maxim-Gorki-Theaters zu besetzen, um auf die ökonomische Situation von Theatertreibenden aufmerksam zu machen. Was bringt dich dazu mit Bühnentode eine doch eher konventionelle Stückentwicklung zwischen Sprechtheater und Bühnenperformance zu versuchen? Was macht die Konzeption besonders?

Erstmal glaube ich, dass das mit dem Stallgeruch und dem Zertrümmern so Zuschreibungen sind, die sich seit den 90er Jahren halten, aber eigentlich keine wirkliche Aussagekraft mehr besitzen. Einfach immer alles zu Zertrümmern interessiert mich auch gar nicht, dafür muss es ja auch erst mal was zum Zertrümmern geben. Vielmehr möchte ich mir die Freiheit eingestehen verschiedene ästhetische Umsetzungen für verschiedene Inhalte finden zu dürfen, die ich bearbeiten will. In Berlin am Maxim-Gorki ging es zum Beisiel darum ein Festival-Beitrag zum Thema „Aufstand proben“ einzubringen. Die Gießener Studierenden zu denen ich damals gehörte, wollten auf die ökonomische Ausbeute von Kulturschaffenden in der freien Szene – besonders hinsichtlich eben solcher Festivalstrukturen – aufmerksam machen, bzw. die Frage aufwerfen, ob sich der Wert von Kunst überhaupt ökonomisch bewerten lässt. Die Besetzung der Bühne als Kunst-Aktion war da einfach ein konsequenter künstlerischer Ansatz. In „Die Kunst zu sterben“ steht nun der Bühnentod und sein Verhältnis zur „realen“ Vergänglichkeit im Fokus. Und in diesem Zusammenhang ist Ilse Bendin nun mal eine Art Expertin. Als Schauspielerin bringt sie bestimmte Darstellungsstrategien und Fähigkeiten mit, die gerade in diesem Kontext sehr interessant sind. Sie kann in verschiedene Rollen schlüpfen – sogar in verschiedene Ausgaben der Figur Ilse Bendin. Und auch wenn ich eher aus dem performativen Theaterkontext komme, finde ich Theatertraditionen, die dann schnell mal unter dem Überbegriff Sprechtheater subsumiert werden, per se nicht uninteressant. Ob das Ergebnis nun konventionell genannt wird oder nicht, sollen andere entscheiden. Was an dem Abend wirklich besonders ist, ist unsere Protagonistin Ilse selbst. Dass sich da jemand mit 76 Jahren und der langen Vorerfahrung am Stadttheater nochmal auf eine für sie wirklich andere Art des Theaters einlässt und so einen tiefen Einblick in ihre Gedankenwelt zulässt, hat mich sehr beeindruckt.

Du hast ja von der theatralen subversion eine Menge Vertrauensvorschuss bekommen nach der Assistenz bei „Terra Cognita“ gleich ein eigene Idee umsetzen zu dürfen. Wie kam das zustande? Bist du jetzt Mitglied des Kollektivs? Wie sehen deine künstlerischen Pläne für die Zeit nach dem Projekt aus?

Ich bin vor mittlerweile gut einem Jahr mit der Idee an Romy und Martin herangetreten, da ich mir vorstellen konnte, dass die theatrale subversion das richtige Umfeld für die Realisation solch eines Abends bietet. Nach der Produktion „Terra Cognita“, bei der ich ja dann doch stärker in die Stückentwicklung einbezogen wurde, hatte ich zudem den Eindruck, dass ihr auch Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit mir hattet. Und mit beiden Vermutungen lag ich ja offensichtlich ganz richtig. Auf jeden Fall hatte ich nicht das Gefühl, euch zu dem Projekt überreden zu müssen. Was die Mitgliedschaft betrifft: Faktisch bin ich jetzt an den zwei aktuellen Produktionen der thetralen subversion beteiligt. Neben „Die Kunst zu sterben“ unterstütze ich ja auch Martin dramaturgisch bei seiner interaktiven Performance „Mikropolis“, die bald in Weimar im Rahmen des Kunstfestes Premiere feiert. Und da sich die theatrale subversion selbst eher als freies Kunstler*innen-Netzwerk denn als festes Kollektiv begreift, kann man mich aktuell durchaus als Mitglied bezeichnen. Auf jeden Fall kann ich mir eine weitere Zusammenarbeit mit euch gut vorstellen. Wie die genau aussehen könnte, muss man nach den beiden anstehenden Premieren zusammen besprechen. Da habt ihr ja auch ein Wörtchen mitzureden.

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08. '16

Die Ausstatterin Katja Turtl

Unsere zweite Neue im Team ist für das Bühnenbild und die Kostüme von „Die Kunst zu sterben“ zuständig. Das macht sie großartig und es wird höchste Zeit sie euch kurz vorzustellen:

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Katja wurde 1982 in Greiz / Thüringen geboren. Bis 2009 studierte sie Bühnen- und Kostümbild bei Henning Schaller und Johannes Leiacker an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Anschließend war sie als Ausstattungsassistentin am Neuen Theater Halle, am Deutschen Theater Berlin und am Staatsschauspiel Dresden tätig, wo sie erste Ausstattungen realisierte. Seit 2013 ist Katja Turtl als freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin tätig. Ihre eigenen Arbeiten mit Regisseuren wie Martin Pfaff, Miriam Tscholl und Stephan Thiel führten sie u.a. an Theater in Mannheim, Rostock, Dresden und Lüneburg.

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07. '16

Die Protagonistin Ilse Bendin

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Wir stecken mitten in der Probenarbeit für unsere neue Produktion „Die Kunst zu sterben“. Bis zur Premiere am 19.8. im LOT Theater Braunschweig ist es noch ein bisschen hin, aber so langsam wird es höchste Zeit die neuen Gesichter in unserem Produktionsteam vorzustellen. Und das wichtigste gehört unserer Protagonistin.

llse Bendin, 1940 in Dresden geboren, studierte an der Staatlichen Schauspielschule Berlin (heute: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch). Nach Stationen in Dessau, Zwickau, Stralsund und am Berliner Ensemble bei Bertolt Brecht und Helene Weigel, war sie viele Jahre Mitglied des Ensembles des Eduard-Winterstein-Theaters in Annaberg.

Ihre ersten Erfahrungen mit dem Tod macht sie als Flüchtlingskind im 2. Weltkrieg, der ihr den Vater nimmt. Aus bürgerlich-konservativen Verhältnissen kommend, setzt sie sich gegen die Skepsis der Familie durch und wird Schauspielerin. Das Theater begreift sie dabei als politischen und utopischen Ort, von dem Impulse für eine bessere Gesellschaft ausgehen können. Ilse blickt auf ein bewegtes Leben und eine ebenso bewegte Karriere zurück, beides geprägt von der idealistischen Haltung einer Bühnenkünstlerin, die sich politischen Systemen widersetzte und mit schweren persönlichen Schicksalsschlägen kämpfen musste.

Die Zuschauer*innen werden einer Schauspielerin begegnen, die auf eine lange Lebensspanne in drei politischen Systemen zurückblicken kann, die einen Körper zeigt, auf dem dieses Leben Spuren hinterlassen hat, die immer gekämpft und dabei viel verloren hat und die sich der eigenen Vergänglichkeit stellt.

Und weil es noch ein bisschen mehr Lust macht, empfehlen wir hier noch ein paar bewegte Bilder von einer Kampagne von Drehbuchautoren gegen Fremdenfeindlichkeit, bei der Ilse die antifaschistische Oma Hipp spielt:

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07. '16

Epilogue Exit Ghost

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Letztes Frühjahr haben wir den New Yorker Soziologen Jonathan Bach in den Berliner Prinzessinengärten getroffen und uns von ihm zur Inszenierung „1989 [exit ghost]“ interviewen lassen. Jetzt hat Jonathan einen Aufsatz mit dem Titel „What Remains – Epilogue Exit Ghost“ geschrieben und ihn bei einer Tagung der German Studies Association in New York vorgetragen. Wir fühlen uns geehrt von der Wissenschaft durch die Mangel genommen worden zu sein, über die vielen klugen Reflektionen zu unserer Arbeit. Und bald geht es weiter: Bei der Tagung “Performativity: Life, Stage, Screen?” vom 20.-22. Juli 2016 an der FU Berlin sehen wir Jonathan wieder.

„What makes Exit Ghost an unusually productive grappling is its resistance to taking two well-worn paths. It avoids the form of personal memoir (in the direction of Jana Hensel’s Zonenkinder), and avoids claiming the mantle of a generational movement in the spirit of 1968, as has been much discussed in connection to the “third generation east.” The former depoliticizes through its introverted gaze, and the latter overpoliticizes by tethering this generation to nearly 50-year old ideological battle lines. 

Rather, Exit Ghost performs what Yukiko Koga calls a double inheritance of the past, where the recognition of one’s own inheritance necessarily involves the recognition of the other’s inheritance. Exit Ghost raises and mixes up of experiences from East and West, performatively making the other’s inheritance into one’s own.“  Jonathan Bach

Performativity_Tagung

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05. '16

Hallo Zentralwerk

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Unser Büro ist fertig und wir sind eingezogen! Die Wände sind gestrichen, die Elektrik ist installiert und die Tische stehen. Ab jetzt findet ihr uns im Zentralwerk Dresden, Risaer Strasse 32, im denkmalgeschützten und geschichtsträchtigen Turm C.       Das Gelände des Zentralwerks gleicht zwar gerade noch einer Großbaustelle, aber spätestens wenn der letzte Bagger abgezogen ist, wird das hier ganz schön „oho“! Das Zentralwerk: Das ist Freiraum für die Künste auf 4.000 Quadratmeter Atelierfläche mit einem wunderschönen Ballsaal im Herzen. Wir freuen uns darauf gemeinsam mit anderen Künstler*innen Teil dieses neuen lebendigen Zentrums zu werden – Teil eines Ortes, der ganz sicher schon bald der überregional bedeutende Aufführungs- und Produktionsraum für die freie Szene wird, den Dresden so dringend braucht. Also besucht uns mal und lasst uns Getränke im entstehenden Hof-Café schlürfen oder unterstützt das Zentralwerk, indem ihr Kulturpate werdet: http://zentralwerk-eg.de/unterstuetzen.html

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03. '16

Der Frühling kommt!

Nachdem wir uns im Winter hinter unseren Schreibtischen verkrochen, neue Ideen gesponnen und an Konzeptionen getüftelt haben, ist jetzt beinahe alles vorbereitet. Die theatrale subversion steht in den Startlöchern für 2 neue Produktionen:

In „Bühnentode – eine Performance über das Sterben“ (Premiere: 19.August 2016) ist die wundervolle 75-jährige Schauspielerin Ilse Bendin die Protagonistin des Abends. Das Stück wird in mehreren Städten Deutschlands touren und ensteht in Kooperation mit dem Societaetstheater Dresden. Es ist unsere erste Zusammenarbeit mit der Dresdner Spielstätte und wir freuen uns sehr darauf!

„Mikropolis …oder wie wir leben wollen“ (Premiere: 28.August 2016) ist eine Produktion des Stellwerk Weimar in Kooperation mit dem Kunstfest Weimar. Hier löst sich der gewohnte Bühnenraum auf und wird zum Soziallabor, in welchem acht Performer*innen eine alternative Mikrogesellschaft entwerfen. Wir halten euch auf dem Laufenden!

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12. '14

New York, New York

Wir haben uns durch die Filmauswahl der British Airways geklickt, haben uns inklusive Bühnenbild durch die New Yorker U-bahn geschoben und den Jetlag mit Bier besiegt. Jetzt sind wir wieder da, entwickeln unsere Fotos und schicken noch einmal ein ganz großes Dankeschön an all unsere Unterstützer_innen und Kolleg_innen in New York! Vielen Dank New York, we are amazed!

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Die nächste Station der Gastspieltour mit 1989 [exit ghost] ist  im Mainfranken Theater Würzburg am 10. und 11. Februar 2015.

 

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06. '14

ALLES ist: X pe d/t ition # 3

Terra Cognita
Im Rahmen des Festivals ALLES NEU zeigen wir alle Inszenierungen der letzten zwei Jahre geballt an vier Tagen. Wir haben uns während der letzten zwei Jahre auf vier X pe d/t itionen in Dresden begeben und laden euch herzlich ein, noch einmal mitzukommen.

X pe d/t ition # 3 ist Terra Cognita, das im Rahmen des Festivals am Samstag Abend um 19:00 Uhr zu sehen ist.

Im Anschluss findet im Foyer des projekttheaters ein Publikumsgespräch statt, das graphisch begleitet wird.

Weitere Infos zum Stück sind hier und
den gesamten Ablaufplan des Festivals findet ihr weiter unten.

 

Programmübersicht

(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Vom 03.-06. Juli zeigen wir alles was wir haben: 4 Inszenierungen, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind, verbunden mit Gesprächen, Diskussionen und Vorträgen von Menschen und Themen, die uns im Laufe der Zeit hier in Dresden begegnet sind.

Wir zeigen euch ALLES, und wollen dringend mit euch feiern! Deshalb ist am Samstagabend Party. Mit kleinen Performances aus LIEBE im Club 64 auf der Louisenstraße.

Karten gibts wie immer hier  oder unter 0351-8107600.

Ticketpreise:

Für „LIEBE“ am Donnerstag,
die Party am Samstag
und die Gastperformance von Dr. Azadeh Sharifi am Sonntag
zahlt ihr jeweils 5 €

Einzelticket EPNOTIA, 1989 [exit ghost] und Terra Cognita:
VVK 13 € | 8 € erm.
AK 15 € | 10 € erm.
(bei EPNOTIA gibt es keinen Abendkassenzuschlag)

Tagestickets:
für Freitag (04.07.2014) und Samstag (05.07.2014)
je:
VVK 18 € | 13 € erm.
AK 22 € | 17 € erm.
das Festival findet im projekttheater dresden statt:
projekttheater dresden
Louisenstraße 47
01099 Dresden

http://www.projekttheater.de

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06. '14

ALLES ist: X pe d/t ition #2

LIEBE – Fest unkonventioneller Beziehungsformen
Im Rahmen des Festivals ALLES NEU zeigen wir alle Inszenierungen der letzten zwei Jahre geballt an vier Tagen. Wir haben uns während der letzten zwei Jahre auf vier X pe d/t itionen in Dresden begeben und laden euch herzlich ein, noch einmal mitzukommen.

X pe d/t ition # 2 ist LIEBE, das im Rahmen des Festivals am Donnerstag Abend um 19:00 Uhr als kleine performative Auszüge zu sehen ist und Miniaturen aus dem Festwochenende im Mai 2013 servieren wir euch auch auf der Party am Samstag ab 22:30 im Club 64 auf der Louisenstraße.

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Das Kaninchen, Foto: Hanne Lauch

Foto: Hanne Lauch

Foto: Philipp Hille

Foto: Philipp Hille

Foto: Philipp Hille

Foto: Philipp Hille

Foto: Philipp Hille

Foto: Philipp Hille

Weitere Infos zum Stück sind hier und den gesamten Ablaufplan des Festivals findet ihr weiter unten.

 

Programmübersicht

(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Vom 03.-06. Juli zeigen wir alles was wir haben: 4 Inszenierungen, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind, verbunden mit Gesprächen, Diskussionen und Vorträgen von Menschen und Themen, die uns im Laufe der Zeit hier in Dresden begegnet sind.

Wir zeigen euch ALLES, und wollen dringend mit euch feiern! Deshalb ist am Samstagabend Party. Mit kleinen Performances aus LIEBE im Club 64 auf der Louisenstraße.

Karten gibts wie immer hier  oder unter 0351-8107600.

Ticketpreise:

Für „LIEBE“ am Donnerstag,
die Party am Samstag
und die Gastperformance von Dr. Azadeh Sharifi am Sonntag
zahlt ihr jeweils 5 €

Einzelticket EPNOTIA, 1989 [exit ghost] und Terra Cognita:
VVK 13 € | 8 € erm.
AK 15 € | 10 € erm.
(bei EPNOTIA gibt es keinen Abendkassenzuschlag)

Tagestickets:
für Freitag (04.07.2014) und Samstag (05.07.2014)
je:
VVK 18 € | 13 € erm.
AK 22 € | 17 € erm.
das Festival findet im projekttheater dresden statt:
projekttheater dresden
Louisenstraße 47
01099 Dresden

http://www.projekttheater.de

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06. '14

ALLES ist: X pe d/t ition # 1

1989 [exit ghost]

Im Rahmen des Festivals ALLES NEU zeigen wir alle Inszenierungen der letzten zwei Jahre geballt an vier Tagen. Wir haben uns während der letzten zwei Jahre auf vier X pe d/t itionen in Dresden begeben und laden euch herzlich ein, noch einmal mitzukommen.

X pe d/t ition # 1 ist 1989 [exit ghost], das im Rahmen des Festivals zu folgenden Zeiten zu sehen ist:
Donnerstag, 03.07. um 15:00 Uhr und
Freitag, 04.07. um 20:00 Uhr

Weitere Infos zum Stück sind hier und
den gesamten Ablaufplan des Festivals findet ihr weiter unten.

1989 [exit ghost] (2012)
theatrale subversion on Vimeo.

Programmübersicht zum Festival ALLES NEU:

Programmübersicht

(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Vom 03.-06. Juli zeigen wir alles was wir haben: 4 Inszenierungen, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind, verbunden mit Gesprächen, Diskussionen und Vorträgen von Menschen und Themen, die uns im Laufe der Zeit hier in Dresden begegnet sind.

Wir zeigen euch ALLES, und wollen dringend mit euch feiern! Deshalb ist am Samstagabend Party. Mit kleinen Performances aus LIEBE im Club 64 auf der Louisenstraße.

Karten gibts wie immer hier oder unter 0351-8107600.

Ticketpreise:

Für „LIEBE“ am Donnerstag,
die Party am Samstag
und die Gastperformance von Dr. Azadeh Sharifi am Sonntag
zahlt ihr jeweils 5 €

Einzelticket EPNOTIA, 1989 [exit ghost] und Terra Cognita:
VVK 13 € | 8 € erm.
AK 15 € | 10 € erm.
(bei EPNOTIA gibt es keinen Abendkassenzuschlag)

Tagestickets:
für Freitag (04.07.2014) und Samstag (05.07.2014)
je:
VVK 18 € | 13 € erm.
AK 22 € | 17 € erm.
das Festival findet im projekttheater dresden statt:
projekttheater dresden
Louisenstraße 47
01099 Dresden

http://www.projekttheater.de

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02. '14

Bilder aus der Zukunft

Freunde es ist so weit: Hier sind die ersten Bilder von TERRA COGNITA, der X ped/t ition in eine Zukunft, in der alle Weltordnungen zerfallen und alle Systeme zerstört sind. Die drei Performer_innen widmen sich in metaphernreicher Science-Fiction-Romantik den Fragen: Wollen wir überhaupt Weltordnung? Brauchen wir Systeme? Und selbst wenn man will: kommt man da überhaupt jemals raus?

von links nach rechts: Henrike Terheyden,
Aljoscha Domes,
Romy Weyrauch
Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut Foto: Norman Grotegut
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von links nach rechts: Henrike Terheyden, Aljoscha Domes, Romy Weyrauch Foto: Norman Grotegut

 

Nächste Aufführungen:

Freitag, 14.03.2014
Samstag, 15.03.2014

Donnerstag, 03.04.2014
Freitag, 04.04.2014
Samstag, 05.04.2014

je 20 Uhr

im Projekttheater Dresden
Louisenstraße 47
01099 Dresden

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01. '14

Der Druck ist da

Die Postkarten und Plakate für unser neues Stück TERRA COGNITA schmücken seit kurzem die Dresdner Neustadt.
Nach 1989 [exit ghost] und LIEBE ist TERRA COGNITA die dritte Produktion in der X pe d/t itionen – Reihe in Zusammenarbeit mit dem projekttheater dresden.

Gestaltung: Peter Kreibich

Gestaltung: Peter Kreibich
Zeichnung: KENDIKE

Gestaltung Peter Kreibich

Gestaltung: Peter Kreibich

 

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12. '13

Why Norman, why?


Wir basteln an der dritten „X ped/t ition“ in Dresden und es wird Zeit zu fragen: Warum? 
Martin hat Norman gelöchert und gefragt, worum sich „TERRA COGNITA„, das am 30. Januar 2014 Premiere haben wird, dreht. Ein Gespräch über eine Reise zwischen Modellen, Bildern, dem Prinzip Kolonialismus und dem Gefühl der permanenten Überforderung:

Presse 1 - Vorschlag no. 6

Ein Ausschnitt aus dem Probenprozess
Foto: Norman Grotegut

Martin Zepter: Lieber Norman, die Konzeption von TERRA COGNITA kam von dir. Kannst du in wenigen Sätzen zusammenfassen, worum es geht?
Norman Grotegut: Richtige Frage zum falschen Zeitpunkt. Es geht in abstrakten Begriffen um Ordnen und Sortieren, Aneignen und Ausdehnen. In konkreteren Begriffen setzen wir uns mit dem Motiv der Reise auseinander. Es geht darum, dass ich immer, wenn ich mich in Bewegung begebe, gleichzeitig Hierarchien produziere. Indem ich Dinge auslasse, also sie nicht beachten kann oder vermeide sie zu beachten oder dadurch, dass ich andere beachte, damit ich mich überhaupt orientieren kann, erschaffe ich Hierarchien und Machtverhältnisse. Und genau damit setzt sich das Stück auseinander und als Symptom davon nehmen wir im Moment noch sehr konkret Formen des Kolonialisierens oder sozusagen der Reibung der westlichen Welt, sobald sie sich in andere Gebiete hineinbegeben hat, und ihre verschiedenen Formen von Ansprüchen oder auch von Selbstverständnissen, die sie da mitgebracht hat.
Und ganz wichtig ist der Gedanke des Modells. Wir sind in der Recherche immer wieder auf das Modell gestoßen. Das Modell als Mittel, als Medium sich Welt anzueignen und Orientierung zu gewinnen. Wie eine Karte, wie ein Globus, die ja beide schon Modelle sind.

M.Z.: Und wie willst du das ästhetisch umsetzen?
N.G.: Es gibt ein großes Objekt, das man sich wie ein aus einem Donut herausgeschnittenes Stück vorstellen kann, das die Vergrößerung eines Teils eines Modells ist. Was heißt das genau? Wir befinden uns auf der Bühne in einem Modell und es gibt dieses Objekt, das ist ein Stück dieses Modells und es dient für diejenigen, die in dieses Modell hineintreten, als Schleuse. Diese Performer kann man als „Recycler“ betrachten. Das heißt, sie betreten das Modell und schauen, welche Dinge, welche Begriffe sie in diesem Modell recyclen können, um daraus ein neues Modell zu bauen, das man dann zum Beispiel irgendwo auf einem Markt ökonomisiert verkaufen kann.
Das ist eigentlich das Grundsetting. Und innerhalb dieses Modells gibt es bestimmte Regeln, die müssen herausgefunden werden, die müssen beachtet werden, die können Gefahr oder auch Entspannung verheißen. Die drei Personen auf der Bühne haben auch verschiedene Funktionen. Das heißt es gibt zwei Handwerker die tatsächlich herausschälen, herausschweißen aus dem Modell und es gibt so eine Art Vorarbeiterin, in dem Sinne, dass diese Person notiert, kartografiert und Listen führt, was gerade gefunden wurde und wofür man das vielleicht wieder verwenden kann. Das findet mittels Livezeichnung statt, während das Herausschweißen von Begriffen, von Objekten, von Dingen mittels optischer Geräte passiert.

M.Z.: Hast du einen persönlichen Bezug zu dem Thema?
N.G.: Einerseits kann ich mit historischen Dingen total was anfangen. Andererseits war ich 2010 in Palästina in der Westbank, bzw. besser gesagt in Israel in der Westbank und habe dort in einer NGO gearbeitet und da sind mir sehr deutlich hierarchische Strukturen aufgefallen. Wie man als derjenige, der dahin kommt, wahrgenommen wird oder wie ich und viele meiner Kollegen dort handeln oder wie wir die Einheimischen wahrnehmen. Das war etwas, was mich sehr bewegt hat: Also das Erleben von Hierarchien und ihrer Funktionsweise durch die Reise.

M.Z.: Und was hat das ganze mit Dresden und dem Konzept der X Pe d / t itionen zu tun?
N.G.: Unsere Recherche hat ganz viel mit Dresden zu tun. Wir sind zu Beginn der Proben in Museen und Ausstellungen gegangen und haben Dinge angeguckt. Wie sie präsentiert sind, was da präsentiert wird, wie das kommentiert wird, was das in uns selbst auslöst und haben das hinterher besprochen. Das waren verschiedenste Dresdner Museen: Von dem Museum über Volkskunst über die Technischen Sammlungen, bis hin zu einer Ausstellung im Albertinum, die sich mit Indianerbildnissen des Westens, die Anfang bis Mitte des 19. Jhdts entstanden sind, befasst.
Einerseits ziehen wir unsere Quellen also aus diesem Sachsen, aus diesem Dresden heraus und zum anderen ist der Vorgang der Expedition ja der einer Reise und das haben wir wörtlich genommen, haben Expeditionen in diese Museen gemacht und Expeditionen auch in uns. Und genau das findet sich auch in diesem Stück wieder.

M.Z.: Du zeichnest ja zum ersten Mal hauptverantwortlich für so ein großes Projekt und wir sind inzwischen schon über die Halbzeit des Probenprozesses hinaus. Magst du kurz beschreiben wie es sich bisher für dich anfühlt, den Hut aufzuhaben?
N.G.: Ich fühle mich permanent im Positiven wie im Negativen überfordert. Das ist der Grundzustand. Eine andere Beschreibung wäre, dass mir manche Woche einfach das Hirn auffrisst und ich aber merke, allmählich komme ich in so ein Fahrwasser rein, dass ich sagen kann, ich kann jetzt auch schneller Entscheidungen treffen und fange langsam an, das Ganze in Sack und Tüten zu kriegen.
Jetzt beginnt ja ein ganz anderer, neuer Prozess: Wir haben jetzt eine bestimmte Menge von Texten, das wird sich auch noch erweitern, andere werden rausfallen und manche Kollegen fragen sich auch noch wie das zusammengehen soll mit diesen unterschiedlichen Formen. Aber sei´s drum. In den neuen Prozess werd ich auch irgendwie reinwachsen. Es wird eine Weile brauchen, bestimmt, aber es wird sich zeigen. Es ist eine Herausforderung, es ist auch für mich durch und durch eine Expedition auf sehr vielen Ebenen.


TERRA COGNITA hat am 30.Januar 2014 Premiere im projekttheater dresden
weitere Aufführungen: 31. Januar und 01. Februar 2014

14./15. März 2014
03./04./05. April 2014
und im Rahmen des  X ped/t itionen-Festivals vom 03.-06.Juli 2014

 

28
11. '13

100 Prozent – Ein Gespräch mit Katharina Bill

Katharina Bill spielt bei den Wiederaufnahmen von 1989 [exit ghost] am 29. und 30. November  Foto: Terheyden

Katharina Bill spielt bei den Wiederaufnahmen von „1989 [exit ghost]“
am 29. und 30. November 2013
im Projekttheater Dresden
Foto: Terheyden


Henrike Terheyden: Für die Wiederaufnahmen von „1989 [exit ghost]“ steigst du mitten in eine fertige Produktion als Umbesetzung ein. Wie ist das?

Katharina Bill: Ich habe so etwas noch nie gemacht. Eigentlich ist das ja eine Idee, die aus dem Prinzip Stadttheater kommt, die Idee der Umbesetzung. Ich kann mir das bis jetzt eigentlich gar nicht vorstellen, wenn ich ehrlich bin. Bis jetzt habe ich alles, was ich auf der Bühne gemacht habe, immer von Anfang an selbst mit entwickelt. Aber ich empfinde das als spannende Herausforderung und das ist keine Floskel. Ich finde es spannend einmal nicht dem Wahnsinnsanspruch der Gesamtentwicklung entsprechen zu wollen, sondern auch in ein Thema einzusteigen, das einem vorgesetzt wird und mit Texten umzugehen, die man nicht selber entwickelt hat und nicht von Anfang an mit empfinden konnte. Die Thematik von „1989 [exit ghost]“ ist auch eine, auf die ich erstmal nicht gekommen wäre. Ich habe zwar auch schon einmal überlegt ein Stück zur Wende zu machen, aber aus meiner Perspektive. Das wäre eher die des „bösen Besserwessis“ gewesen. Ich kenne dieses Land DDR nur aus dem Geschichtsunterricht und aus den Erzählungen meiner Eltern und habe auch wenig andere Haltung dazu, merke ich.

HT: Was meinst du mit dem Wort „Besserwessi“? Ist das der Ansatzpunkt, der dich auch an dem Stück interessiert?

KB: Ja, genau. Das interessiert mich so, weil ich das selbst erlebt habe. Ich habe in Brandenburg gelebt und da ist mir das Wort „Besserwessi“ sehr oft begegnet. Es gab viel Argwohn, der mir entgegen kam von einer ländlichen Bevölkerung, von den jetzt 60- jährigen, die jetzt in Brandenburg wohnen und auch schon immer da gelebt haben. Ich kam mit meinem komischen Ökoverständnis als junge Mutter in das Dorf. Diese Reibung und auch die Furcht davor abgestempelt zu werden, das wären meine Anknüpfungspunkte für ein Stück gewesen. Ich finde in „1989 [exit ghost]“ die Verknüpfung mit Heiner Müller und der Hamlet Maschine sehr schlüssig und sie interessiert mich auch, aber das ist ganz fern von mir, das ist mir ganz fremd.
Für mich ist auch die Wende wirklich Geschichte. Ich habe keine gelebten Erfahrungen mit diesem großen Ereignis. Etwas das bei uns zu Hause nie diskutiert wurde, und was ich selbst auch nie gemacht habe, ist zu fragen: Was ist eigentlich Kommunismus? Was ist das Gute daran, was ist das Schlechte daran? Also die Idee Kommunismus ernst zu nehmen und sich zu fragen, was war da für eine Idee dahinter und was sind die sinnvollen Aspekte dieser Idee? Das habe ich in dem Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin, nie getan. Das war überhaupt nicht linksorientiert sondern sehr an Leistung und Wohlstand.

HT: Ich finde das Zusammendenken von Kunst-Machen und der Frage „Was habe ich, was werde ich und was leiste ich“ schwierig. Erfolg haben wird mit dem Geld verdienen verknüpft und ich finde es im Kunstkontext sehr schwierig mich selbst dagegen abzusetzen. Die Verknüpfung von Geld und Anerkennung ist zentral. Du sprichst von sinnvollen Aspekten anderer Wertesysteme und da taucht bei mir immer die Frage danach auf, wie man sich wehren kann gegen dieses absolute Primat des Kapitals. Ich kann mir vorstellen, dass das wenn man Familie hat, noch viel problematischer ist, man ganz andere Verantwortung trägt….

KB.: Ja das ist ein Kampf und der finanzielle Druck ist mit Familie auf jeden Fall viel höher. Ich kann als Mutter einfach manche Projekte nicht machen, wenn sie low-budget sind. Aber das Bewusstsein für die eigene Wertigkeit, die sich auch in Geld widerspiegelt ist auch nicht nur schlecht. Das ist auch gut, weil man gezwungen ist den eigenen Wert, der sich auch über Geld definiert, zu sehen. Ich finde, dass Künstler generell viel zu wenig auf ihr Recht pochen auch davon leben zu können. Auf der anderen Seite steht ein extremes Zeitproblem. Das ist das richtige Problem! Ich habe mit Kind einfach nicht die Zeit, die andere haben. Wie schaffe ich es, an andere Orte zum Arbeiten zu fahren- wie jetzt nach Dresden- wie kann ich arbeiten und trotzdem mein Kind sehen? Das ist eigentlich fast unlösbar. Wie man es dreht und wendet, es gibt keine guten Bedingungen im Theaterbereich, egal ob staatlich oder freie Szene, für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Und dann kommt auch noch eine Genderthematik dazu. Ich arbeite viel weniger als der Vater meines Kindes, und ich stelle fest: das ist auch nicht nur bei uns so. Männer bekommen oft die Chefdramaturgenposten und die Frauen reduzieren auf eine halbe Stelle. Die machen nicht die Karrieren die ihre Männer machen. Ich freue mich übrigens aber auch darüber mein Kind aufwachsen zu sehen und mein frühes Muttersein hat auch sein Gutes: Ich weiß, dass ich mit 40 spätestens ein Teenagerkind habe und dann kann ich arbeiten, wenn dann meine Kollegen mit dem Kinderkriegen anfangen. Das heißt ich versuche, mich im Gespräch zu halten und meine Kontakte zu pflegen, gute Sachen zu machen auch weiter zu kommen, vielleicht langsamer zu sein als alle anderen, aber dafür dann auch irgendwann reinklotzen zu dürfen. Ich meine ich kann auch sagen, ich habe einen Hardcorejob als Mutter, aber das will natürlich niemand hören.

HT: Was gäbe es für Strukturänderungen, die dir einfielen damit sich Familie und Kunst besser vereinbaren lassen?

KB: Frauen wie Männer müssen sich gleichermaßen bewusst werden, dass man tatsächlich in einer Partnerschaft sehr streng Hälfte Hälfte denken muss. Es hilft nichts zu sagen: Wer grade das bessere Projekt hat, oder wer mit einem Projekt mehr verdient, darf das machen. Man muss wirklich knallhart sagen: egal wer wie viel Geld nach Hause scheffelt, jeder muss von den Arbeitstagen im Jahr die Hälfte arbeiten und der andere die andere Hälfte. Also zeitlich gesehen, damit jeder und jede die Chance hat Projekte zu machen und sich weiterzubilden. Im Rahmen von Projekten ist man ja auch immer „in der Lehre“. Die berufliche Weiterentwicklung macht man ganz konkret nur, wenn man auf der Bühne steht und Projekte macht. Für mich funktioniert das nicht über Bücher. Und daher glaube ich, das ist eine der wesentlich wichtigen Strukturänderung: Ganz streng mit der Arbeitsteilung zu sein.
Eine andere wichtige Sache ist auch wirklich, dass Leute den Mut haben müssen, Mütter mit Kindern und auch Väter ins Ensemble aufzunehmen. Das ist vielleicht einfach gesagt, aber vielleicht auch einfach getan. Da ist dann ganz klar, dass das Kind auch mal mit auf der Probe ist. Ich glaube es ist wichtig auch mal zu akzeptieren, dass nicht jeder immer hundert Prozent geben kann.

HT: Das Hundertprozent-Ding ist ja vielleicht auch ein gesamtgesellschaftliches Problem. Mich strengt das auch total an, dass ich in diesen Projekten alles andere stehen und liegen lassen muss. Man weiß ja auch nie wo die 100 Prozent sind. Man ist ja ständig damit beschäftigt zu sagen: Ah nein, ich hab noch eine halbe Stunde Wachzeit, da kann ich doch jetzt schnell noch was lesen, was schreiben, was denken. Diese 100 Prozent sind außerdem eine total verschiebbare Variable, ich finde das ist schon auffällig in diesem Freien Theaterbetrieb, dass es da sehr biegbare Hundertprozent Grenzen gibt.

KB: Ja! Derjenige der gerade am meisten Kraft und Potenzial hat, sagt wo es lang geht. Der bestimmt wo die 100 Prozent sind.

 

 

02
09. '13

Bildergalerie zu „Liebe“ von Philipp Hille

Und hier nun without further ado:  eine Auswahl der Fotos zu „Liebe – Fest unkonventioneller Beziehungsformen“ von Philipp Hille:

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Wer noch ein bisschen mehr über das Projekt wissen will, findet hier eine kleine Kurzbeschreibung oder hier den Reiseführer für die „Neue Republik Liebe“